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Unternehmen ohne Abfall: Willkommen in der Kreislaufwirtschaft

Unternehmen ohne Abfall: Willkommen in der Kreislaufwirtschaft

  • Dieser Artikel erschien am 29.09.2014 in der Wirtschaftswoche Green.von Michael D’heur

    Die Motive von Unternehmen, Nachhaltigkeit im Kerngeschäft, also in Produkten und Wertschöpfungskette zu verankern, sind so vielfältig wie der wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Nutzen, der realisiert werden kann. Ohne Zweifel kann Nachhaltigkeit die Reputation des Unternehmens verbessern. Fragt man nach dem ökonomischen Nutzen, stehen an erster Stelle Umsatzsteigerungen (weil Kunden bereit sind, für nachhaltige Produkte Premiumpreise zu bezahlen) oder die Möglichkeit, sich von Wettbewerbern zu differenzieren.

    Doch was zeichnet nachhaltige Produkte aus? Ein Stichwort ist hier Cradle-to-Cradle, sinngemäß „von der Wiege zur Wiege“. Das Konzept beschreibt eine Form zyklischer Ressourcennutzung. Am Ende des Lebenszyklus sollte das Produkt in seine Ausgangsmaterialien zerlegt werden können, um wieder als Eingangsstoff in den biologischen oder technischen Kreislauf eingehen zu können. Das Prinzip wurde von der Natur abgeschaut. Dabei sollen die Materialien nicht nur ein ‚downcycling‘ durchlaufen (und am Ende doch wieder im Müll landen), sondern unbegrenzt wiederverwertet werden.

    Für die Produktentwicklung heißt das, Produkte müssen so konzipiert sein, dass sie aus recycelten Rohstoffen hergestellt und am Ende der Nutzung wiederum recycelt werden können. So entstehen weder Kosten noch Umweltbelastungen durch Primärrohstoffgewinnung. Das ist ein großes Ziel und nicht für jede Produktgruppe zu realisieren. Aber das Prinzip weist den richtigen Weg.

    Wer ein bestehendes Produktportfolio nachhaltig verändern will, beginnt am besten mit einer Bestandsaufnahme. Folgende Fragen helfen bei der Orientierung:

    • Welche Umweltauswirkungen haben einzelne Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus?
    • Wo entstehen positive, wo negative Effekte, und wie lassen sie sich jeweils verstärken oder verringern?
    • Ist ein Umstieg von endlichen Ressourcen auf nachwachsende Rohstoffe vorstellbar?
    • Welche Produktkomponenten können ganz oder teilweise in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden?
    • Können spezifische Produktionsformen und -verfahren auch gesellschaftlichen Mehrwert stiften?

    „Think big, start small“: Erfolgreiche Umsetzung in kleinen Schritten

    Es versteht sich, dass eine Neuausrichtung eines Produktportfolios nur schrittweise und nicht am grünen Tisch erfolgen kann. Zudem werden sich Erfolge nur langsam einstellen. Es empfiehlt sich daher für Unternehmen, mit einzelnen Produkten zu starten und aus den Erfahrungen zu lernen. Wie reagieren Lieferanten und Wertschöpfungspartner? Wie ist die Akzeptanz beim Endkunden? Erfolgreiche Ansätze werden dann nach und nach auf weitere Produkte zu übertragen.

    Eine langfristige Unternehmensausrichtung ist dabei hilfreich. Deswegen erstaunt es nicht, dass viele Erfolgsbeispiele für die Verankerung von Nachhaltigkeit im Kerngeschäft im Mittelstand zu finden sind. Gerade Familienunternehmen orientieren sich oft an Konzepten, die dem Aufbau eines zukunftsorientierten Wirtschafts- und Wertesystems dienen. So auch der im baden-württembergischen Tettnang beheimatete Outdoorhersteller Vaude. Das Unternehmen verfügt über Produktionsstandorte in Deutschland, China und Vietnam. Etwa ein Drittel aller Produkte wird in eigenen Produktionsstätten gefertigt, die übrigen von Auftragsbetrieben hergestellt.

    Das Unternehmen strebt in allen Teilbereichen seiner Wertschöpfungskette soziale und ökologische Optimierungen an und hat sich dabei hohe Ziele gesetzt, ohne jedoch den wirtschaftlichen Erfolg aus den Augen zu verlieren. Bis 2015 will man Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster sein. Vaude hat das Streben nach Nachhaltigkeit in seiner Strategie verankert und im „Vaude Ecosystem“ für alle Teilbereiche der Wertschöpfungskette ausformuliert. Das Unternehmen verfolgt bei der Umsetzung drei Stoßrichtungen:

    • Umweltschonendes Wirtschaften in Produktion, Logistik und Verwaltung,
    • gesellschaftliches Engagement durch aktive Umweltpolitik in Fachverbänden des Einzelhandels und der Textilindustrie,
    • Streben nach Innovativen, die auf umweltfreundlichen Produktdesigns und Produktionsverfahren beruhen.

    Das Produktdesign ist eine entscheidende Stellschraube im Lebenszyklus. Design meint nicht nur die modische Gestaltung der Produkte, sondern umfasst alle Entscheidungen über Materialien, Lieferanten und Produktionsstandorte. Dadurch werden früh große Teile der ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Produkts unwiderruflich festgelegt…

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