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Nachhaltigkeit: Große Chancen für den Mittelstand

Nachhaltigkeit: Große Chancen für den Mittelstand

  • Es ist bekannt, dass der Mittelstand Kernbestandteil der deutschen Wirtschaftsleistung ist. Der Mittelstand beschäftigt ca. 15,7 Millionen Menschen, erwirtschaftet etwa 36% des Gesamtumsatzes deutscher Firmen und verzeichnet seit Jahren einen wachsenden Auslandsumsatz.Für sein Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit ist der Mittelstand allerdings in der breiten Masse weniger bekannt. Im Gegensatz zu Großunternehmen legen sie ihre Nachhaltigkeitsstrategien und –bemühungen nur selten offen. Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten hingegen sind ab 2017 sogar laut einer Richtlinie der Europäischen Kommission dazu aufgefordert, über nicht-finanzielle Tätigkeiten, wie z.B. der Umwelt, Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Gleichberechtigung zu berichten.Dennoch gibt es viele Gründe, warum sich auch kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) für Nachhaltigkeit interessieren, bzw. interessieren sollten. Die folgenden 3 Punkte sind hier besonders relevant: 

    1. Nachhaltigkeit kann dabei helfen, Kosten zu sparen und damit den Unternehmensertrag steigern

    Nachhaltigkeit und gleichzeitige Kostenersparnisse sind für Unternehmen kein Widerspruch mehr. Wenn die Produktentwicklung beispielsweise nach Cradle to Cradle umgestellt wird, können Unternehmen massiv Kosten sparen. Bei Cradle to Cradle werden Produkte so konzipiert, dass ihre Komponenten am Ende ihres Lebenszyklus komplett wiederverwertet werden können und somit für ein neues Produkt verwendet werden können. Ein Beispiel dafür sind z.B. biologisch abbaubare Kleidungsstücke, die am Ende ihrer Gebrauches ganz einfach auf dem Kompost entsorgt werden können, wo sie verrotten und sich so ohne negative Einflüsse auf die Umwelt verflüchtigen. Ein anderes Beispiel ist, wenn Elektronikprodukte am Ende ihres Lebenszyklus wieder in die Einzelteile zerlegt werden, die dann für ein neues Produkt verwendet werden. Dadurch werden Einkaufs- und Materialkosten stark reduziert. Gleichzeitig fallen die negativen Effekte des Rohstoffabbaus (Umweltverschmutzung beim Bergbau oder Transport zum Herstellungsort) weg. So kann eine auf Nachhaltigkeit basierte Produktphilosophie Unternehmen helfen, viel Geld zu sparen.

    Des Weiteren können Firmen Kosten sparen, wenn sie von Beginn an die gesetzlichen Regelungen und gesellschaftlichen „Spielregeln“ gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Kriterien einhalten. Dazu gehören beispielsweise Umsatzeinbußen, wenn es wegen problematischen Produktionsbedingungen zu Skandalen kommt und Kunden sich anderen Marken bzw. Produkten zuwenden. Das Image von Firmen und damit die langfristige Erfolgsstrategie hängen stark von der Reputation ab.

    Durch das Thema nachhaltige Kostenreduktion wird klar, dass Nachhaltigkeit im Kerngeschäft von Unternehmen angekommen ist. Das heißt, gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Themen spielen eben in den Bereichen, in denen ein Unternehmen Umsatz macht, eine Rolle. Dies ist auch besonders wichtig für mittelständische Unternehmen, die in vielen Fälle privat finanziert sind.

    2. Stakeholder, wie Kunden, Mitarbeiter oder Nichtregierungsorganisationen erwarten immer stärker vom Mittelstand, dass dieser Nachhaltigkeit als relevantes Thema ansieht.

    Kunden, Mitarbeiter und die gesellschaftliche Welt orientiert sich immer stärker an Werten, die nicht nur wirtschaftliche Erfolge und Vermögen erzielen, sondern auch jene, die für alle Beteiligten einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert stiften. Das Prinzip „shared value“ ist wichtig hier. Durch immer weiter ausgeprägte Social Media Präsenz können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, soziale oder ökologische Missstände zu vertreten. Es wird immer stärker von Unternehmen erwartet, dass diese für ihre gesamte Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen. Dies wird auch besonders für den Mittelstand ein immer bedeutenderes Thema, denn es sind längst nicht mehr nur die großen Firmen, die eine globale Wertschöpfungskette haben.

    3. Mittelständische Unternehmen müssen sich zunehmend in ihrer Rolle als Zulieferer von Großunternehmen ihrer Verantwortung der Umwelt, Natur, Ressourcen und Gesellschaft gegenüber klar machen

    Mittelständische Unternehmen stehen nicht alleine da. Trotz ihrer eigenen Wertschöpfungskette sind die sehr häufig in die Wertschöpfungsketten anderer, größerer Unternehmen eingebunden und agieren bei diesen als Zulieferer. Somit ist wichtig, dass sie Verantwortung für ihre eigene Wertschöpfungskette übernehmen können. Dies müssen sie gegenüber ihren eigenen Stakeholdern tun, aber auch ihrer Kunden, wie Konzernen, die sich intern bereits der Nachhaltigkeit verpflichtete haben. Um angesehener Zulieferer und Partner bleiben zu können, werden Nachhaltigkeitsaspekte auch im Mittelstand eine immer stärkere Rolle spielen.

    Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielen mittelständische Unternehmen eine sehr wichtige Rolle. Das Thema Nachhaltigkeit muss Teil davon sein. Durch ihre Größe können mittelständische Firmen oft flexibler als Konzerne auf neue Marktanforderungen reagieren.

    Der Mittelstand kann durch eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit nur gewinnen. Zusätzlich dazu können Unternehmen für Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie Gutes tun.

Das Thema Mittelstand und Nachhaltigkeit war auch ein Thema in der WiWo Beilage (Juli 2015). Download unter: