Komplett kompostierbare Kleidung – Wie Unternehmen mit Innovationen nachhaltige Kleidung produzieren

Komplett kompostierbare Kleidung – Wie Unternehmen mit Innovationen nachhaltige Kleidung produzieren

  • Die IHK Nürnberg und Mittelfranken hat auf dem 12. Asien-Pazifik-Forum bewiesen, dass Bayern und die Wachstumsregion Asien Pazifik eine starke Kombination sind
      • Asien bleibt der interessanteste Wachstums- und Beschaffungsmarkt
      • Deutschland kann eine führende Rolle bei Nachhaltigkeit in Wertschöpfungsketten einnehmen

     

    • Corporate Social Responsibility (CSR) ist in der Wertschöpfungskette keine Option mehr, sondern ein Muss um wettbewerbsfähig zu bleiben

     

Kleine Unternehmen wie FREITAG aus Zürich nutzen ihre Innovationskraft überzeugender und schneller als große Unternehmen. Die F-ABRIC Kollektion von FREITAG kann hier als Beispiel gelten.

  • Produktinnovation ist nicht immer ein Prozess gezielter Suche am Markt – die Entwicklung von biologisch abbaubarer Kleidung ist ein Beispiel dafür
  • Der Aufbau einer rein lokalen und nachhaltigen Wertschöpfungskette in der Bekleidungsindustrie ist möglich und wünschenswert.
  • Durch die konsequente Anwendung von Designkonzepten für Kreislaufprodukte, enstehen schnell Kollektionen, die auch vielfach Wert schaffen können.

Nachhaltigkeit kann wesentlich leichter in kleinen als in großen Unternehmen implementiert werden. Dieser Trend ist mittlerweile industrieübergreifend zu beobachten und zeigt sich in Unternehmen aus der Elektronikindustrie, bei Nahrungsmittelherstellern und auch in der Bekleidungsindustrie.

Ein Beispiel dafür ist nicht nur das niederländische Unternehmen Fairphone (siehe auch unser Buch), das sich zum Ziel gesetzt hat, ein faires Smartphone herzustellen, sondern auch das Schweizer Unternehmen FREITAG. FREITAG hat mit seinen Taschen aus recycelten LKW Planen Bekannheit erlangt, und das nicht nur bei einem kleinen affinen Publikum.

Aus einer betrieblichen Notwendigkeit entsteht ein innovatives Kreislaufprodukt

Neben den Taschen stellt FREITAG nun aber auch kompostierbare Kleidung her, die zudem komplett in Europa hergestellt werden. Die Idee für das Produkt entstand, als das FREITAG Team nach robuster, biologisch abbaubarer Arbeitskleidung für seine Werksmitarbeiter suchte und kein Produkt ausfindig machen konnte, das diese Kriterien erfüllt und zudem lokal gefertigt wird. Die Stoffe, die FREITAG benutzt, werden aus Hanf, Leinen oder Modal, einem nach chemischen Verfahren aus Zellulose hergestellter Faser natürlichen Ursprungs, produziert. Nicht nur die Stoffe, sondern auch alle Logos und Pflegehinweise, das Nähgarn sowie ein Teil der Knöpfe verrotten nach drei Monaten auf dem Kompost. Damit kann das Produkt ohne Auswirkungen auf die Umwelt entsorgt werden. Hanf und Leinen wachsen in Mitteleuropa; die unterschiedlichen Stoffe werden in Italien und Portugal gewebt. So befindet sich 100% der Wertschöpfung in Europa. Außerdem verzichtet das Unternehmen auf Rohstoffe wie Baumwolle, die zwar natürlichen Ursprungs und biologisch abbaubar sind aber nicht lokal angebaut werden können und zudem beim Wachsen viel Wasser benötigen.

Durch dieses Vorgehen ist F-ABRIC, wie die Modelinie von FREITAG heißt, ein Cradle-to-Cradle Vorreiter in der Modeindustrie. Die Produkte unterscheiden sich durch die lokale Beschaffung und Produktion deutlich von der Konkurrenz, wie beispielsweise den Produkten der Firma Trigema, die ebenso biologisch abbaubare Kleider herstellt, diese aber aus türkischer Baumwolle fertigt.

Innovation als Erfolgsfaktor für nachhaltige Produkte

Der Erfolg von F-ABRIC basiert auf 5 Gegebenheiten:

  • FREITAG hat gezeigt, dass es möglich ist, ein lokales und umweltverträgliches Produkt auf den Markt zu bringen. Die Lieferanten sind regional begrenzt und eine europäische Wertschöpfungskette wurde geschaffen. Dadurch werden Transportkosten und CO2 Ausstöße gesenkt. Zudem verringern sich Lieferzeiten sowie –risiken für das Unternehmen. Dies zeugt von echter Innovation.
  • FREITAG konnte seinen Namen als umweltbewusste Firma weiter ausbauen. Die Marke FREITAG steht somit nicht nur für Taschen sondern eben auch für Kleidung – und das alles nachhaltig. Dies wird sicherlich auch in Zukunft neue Kunden anziehen.
  • Ein Unternehmen wie FREITAG, das mit ca. 150 Mitarbeitern zum Mittelstand gehört, kann flexibler ein neues Produktportfolio aufbauen als eine Firma mit Milliardenumsatz und Tausenden von Mitarbeitern. Diese Möglichkeit sollte auch in anderen Unternehmen stärker genutzt werden.
  • Nachhaltigkeit wird aktiv gelebt und von der Geschäftsleitung als Bestandteil des Kerngeschäfts gesehen. Dies stellt sicher, dass Veränderungen sich wirklich einstellen und Nachhaltigkeit nicht nur ein zu PR Zwecken benutztes Randthema bleibt.
  • Experimentieren muss erlaubt sein. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis FREITAG mit F-ABRIC auf dem Markt gehen konnte. Kurzfristige Rückschritte konnten das Unternehmen nicht davon abhalten, an dem Konzept weiterzuarbeiten.

Große Modefirmen sollten sich von Firmen wie FREITAG inspirieren lassen und den aktiven Austausch suchen, um die Kreativität der kleinen und mittleren Betriebe mit der Reitweiche der großen Unternehmen zu kombinieren. So können internationale Firmen beginnen, ihre Wertschöpfungsketten nach den Kernbausteinen der Nachhaltigkeit zu gestalten.

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