Gewinne steigern durch mehr Nachhaltigkeit: 6 Unternehmen zeigen, wie das gehen kann

Gewinne steigern durch mehr Nachhaltigkeit: 6 Unternehmen zeigen, wie das gehen kann

  • Dieser Artikel erschien am 11.03.2014 in der Wirtschaftswoche Green.von Michael D’heur„Nachhaltigkeit als Hebel zur Kostensenkung? Das geht doch gar nicht, das kostet doch nur Geld.“ So lautet eine leider immer noch oft gehörte Meinung in Diskussionen mit Unternehmensvertretern. Doch sie ist falsch. Denn ganz im Gegenteil bietet Nachhaltigkeit große Chancen zur Verteidigung, ja zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

    Bisher nutzen international tätige Unternehmen vor allem drei Hebel zur Kostenreduktion: Die operative Kostenreduktion durch die Verlagerung der Produktion in Regionen, die Personalkostenvorteile bieten (Offshoring) oder durch Vergabe dieser Arbeiten an externe Partner, die aufgrund spezifischer Kompetenzen oder Kapazitäten manche Aufgaben besser und billiger erledigen können (Outsourcing).

    Drittens wird die Personalkostenreduktion als kurzfristig umsetzbare Maßnahme immer wieder praktiziert. Sie ist allerdings fragwürdig, da sie oft vorherige Managementfehler kaschiert und von Unternehmen auch angewendet wird, wenn sie Rekordgewinne schreiben.

    Durch nachhaltige Praktiken Kosten senken

    Was diese Hebel bei aller betriebswirtschaftlichen Logik nicht von vornherein beabsichtigen, ist ein bewusster, das heißt sparsamer Umgang mit – insbesondere natürlichen – Ressourcen. Außerdem spielt die Betrachtung des gesamten Wertschöpfungsnetzwerks vom ‚Rohmaterial bis zum Kunden’ noch zu selten eine Rolle bei der Identifikation von Potentialen zur Kostensenkung.
    Der Instrumentenkasten der Kostensenkung sollte deshalb um ein innovatives Aktionsfeld ergänzt werden: Nachhaltigkeit in Produkten und im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk. Allerdings hat nachhaltige Wertschöpfung nur dann eine Chance auf Umsetzung, wenn sichergestellt werden kann, dass die Kostenposition des Unternehmens dadurch nachgewiesen verbessert wird.

    Go green get gold

    Diese Einspareffekte können aber nur erkannt und gehoben werden, wenn die Wechselwirkungen zwischen Produktentwicklung, den beteiligten Lieferanten und der eigenen Fertigung verstanden sind und alle Berührungspunkte mit Umwelt und Gesellschaft beleuchtet werden. Hier sind fünf Beispiele von Unternehmen, die zeigen, wie das gehen kann:
    Produktdesign für geschlossene Kreisläufe: Im Cradle-to-Cradle-Ansatz (den ich in einer meiner früheren Kolumnen beispielhaft dargestellt habe) werden Produkte so konzipiert, dass sie am Ende des Lebenszyklus komplett in geschlossene Kreisläufe übergeben werden.

    Hier entstehen Einsparungen, weil Kosten für die Extraktion und Herstellung von Primärrohstoffen vermieden werden. Auch kann es wirtschaftlich sein, einzelne Komponenten durch mehr nachwachsende Rohstoffe und wiederverwertbare Komponenten zu ersetzen. Schon eine teilweise Integration von Kreislaufkonzepten in das Produktdesign kann erheblich Kosten sparen, wie es das Component Recovery Programme des Baumaschinenherstellers Caterpillar zeigt.

    Dabei werden die Maschinen am Ende ihrer Nutzungsdauer zerlegt und intakte Bauteile insbesondere im Bereich Getriebe, Antriebsstrang und Bremsen in anderen Maschinen verwertet. Mit beachtlichem Erfolg: So konnten im Jahr 2012 durch gebrauchte Komponenten Erlöse von mehr als 100 Millionen Euro erzielt werden. Was für das Unternehmen gut ist, kommt auch den Kunden entgegen. Sie erhalten zweckdienliche Maschinen zu geringeren Preisen.

    Verpflichtung zu Nachhaltigkeit in Produkten: Unternehmen, die ihre Produkte schon länger auf Öko-Effizienz überprüfen, können beachtliche Erfolge vorweisen. Der vom britischen Einzelhändler Marks & Spencers 2007 aufgelegte „Plan A“enthält die Vorgabe, bis 2015 alle gehandelten Produkte mit Nachhaltigkeitsattributen zu versehen.

    Bereits nach zwei Jahren wurde durch Plan A der Break-Even erreicht. Heute trägt der Plan jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag zum Unternehmensergebnis bei.
    Senkung der „Non Compliance“-Kosten: Weil Verbraucher heute nicht nur sensibler, sondern auch wachsamer und durch die neuen Medien in der Lage sind, auf Missstände publikums wirksam hinzuweisen, ist Vermeidung der sogenannten ‚Cost of Non-Compliance‘ relevant.

    Durch die Auswahl und partnerschaftliche Einbindung ihrer Lieferanten als echte Partner, vermeiden Unternehmen von den Verbrauchern für die Fehler unzuverlässiger Lieferanten in Mithaftung genommen zu werden. Hier sei beispielhaft die Firma Puma genannt, die freiwillig die Verantwortung für ihre komplette Wertschöpfungskette übernommen hat, inklusive der wichtigsten Zulieferer. Dabei wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um Arbeitsbedingungen und Produktattribute nachhaltiger zu gestalten…

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