„Bayern meets Asia in Nürnberg“ – Wachstum muss nachhaltig gestaltet werden

„Bayern meets Asia in Nürnberg“ – Wachstum muss nachhaltig gestaltet werden

  • Die IHK Nürnberg und Mittelfranken hat auf dem 12. Asien-Pazifik-Forum bewiesen, dass Bayern und die Wachstumsregion Asien Pazifik eine starke Kombination sind
      • Asien bleibt der interessanteste Wachstums- und Beschaffungsmarkt
      • Deutschland kann eine führende Rolle bei Nachhaltigkeit in Wertschöpfungsketten einnehmen

     

    • Corporate Social Responsibility (CSR) ist in der Wertschöpfungskette keine Option mehr, sondern ein Muss um wettbewerbsfähig zu bleiben

     

  • Am 23. Juli 2015 fand in der Messe Nürnberg, das 12. Asien-Pazifik-Forum Bayern statt. Als Veranstalter gelang es der IHK Nürnberg und Mittelfranken mit 360 nationalen und internationalen Gästen eine hochkarätig besetzte und interessante Veranstaltung zu gestalten.In den Grußworten des IHK Präsidenten von Vopelius und dem Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch kam zum Ausdruck, das sich mit Asien Pazifik die Wachstumsregion per se wieder einmal in Bayern trifft um die guten Beziehungen weiter auszubauen.

    In der ersten Keynote des Tages betonte Frank Dassler, die Wichtigkeit globaler und verlässlicher Partner um weltweite Wertschöpfungsketten performant aufzustellen. Sowohl adidas als auch puma übernehmen dabei Verantwortung für einen großen Teil der Wertschöpfungsketten, ganz im Sinne des ehrbaren Kaufmanns.

    In der zweiten Keynote des Tages betonte Georg Kell, Executive Director des UN Global Compacts, das der Paradigmenwechsel zu mehr Nachhaltigkeit in der Wertschöpfung im vollen Gange ist. Sein Appell an Deutschland und seine Unternehmer: Die Chance nutzen, die sich aus den im Herbst zur Verabschiedung anstehenden Sustainable Development Goals der UN ergeben. Deutschland genießt nach wie vor einen hervorragenden Ruf und wird als Vorbild bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme gesehen.

    Nicht nur diese einleitenden Worte, sondern auch die Ansprache der Botschafterin der Sozialistischen Republik Vietnam zeigten, dass die Wachstumschancen bayerischer Unternehmen in Asien Pazifik hervorragend sind. Allerdings können diese nur genutzt werden, wenn leistungsfähige und nachhaltige Wertschöpfungsketten und gegenseitiges Vertrauen vorhanden sind.

    In den folgenden Panels zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurden einige Punkte betont, die bestätigen dass sich nachhaltige Beziehungen vielfach am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns orientieren:

    „Wir sorgen dafür, dass unsere unternehmerischen Werte auch in allen unseren Niederlassungen in Asien zur Anwendung kommen.“ – Max Frank (Geschäftsführer, Max Frank GmbH & Co. KG).

    „CSR in der Wertschöpfungskette: Produktion kann man outsourcen, Verantwortung nicht“ – Michael D‘heur (Geschäftsführer, shared.value.chain)

    Im Panel zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR) in internationalen Lieferketten, ging es dann um die Chancen und Herausforderungen, die weltweite Wertschöpfung mit sich bringt. In meinem Impulsvortrag, betone ich immer wieder, dass sich ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Belange nicht ausschließen. Es ist weder eine Frage der Unternehmensgröße, noch der Industrie. In einer global vernetzten Wirtschaftswelt, in der Unternehmen hunderte von Produktkomponenten von tausenden Lieferanten weltweit beschaffen und verarbeiten, werden Kosteneffizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit zu Faktoren des wirtschaftlichen Überlebens.

    Hinderlich sind in der derzeitigen Diskussion von CSR im Zusammenhang von internationalen Lieferketten allerdings die Begriffsvielfalt und die damit verbundenen Interpretationen. Vom nachhaltigen Profit bis zum gemeinsamen Mehrwert für alle existiert ein breites Spektrum. Dabei können in genau diesem Spektrum neue Geschäftsmodelle und Absatzchancen entstehen.

    Stichwort Kommunikation: Begrifflichkeiten, Interpretationen und Missverständnisse

    Es gibt eine Vielzahl von Begrifflichkeiten die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Von CSR zu Nachhaltigkeit zu Shared Value. Im Zeitverlauf wurde der Grundgedanke der sozialen Marktwirtschaft und das Leitbild des ehrbaren Kaufmann (die Corporate Social Responsibility mit Fokus auf Gesetzestreue, Freiwilligkeit und Philantropie) erweitert um Aspekte der gesamtheitlicher Nachhaltigkeit (das gesamte Unternehmen nachhaltiger gestalten, z.B….) hin zur seit 2006 diskutierten Idee von Shared Value (Nachhaltigkeit im Kerngeschäft) erweitert.

    Das im Zusammenhang von CSR in der Lieferkette oft Missverständnisse vorherrschen. Die großen multi-nationalen Unternehmen verfügen zwar über weltweite Präsenz und finanzielle Mittel, zeigen sich aber in der Umsetzung oft zu behäbig. Der Compliance Gedanke spielt offensichtlich eine größere Rolle als das Interesse Nachhaltigkeit aktiv zu gestalten. Gleichzeitig ist bei kleineren und mittleren Unternehmen zu beobachten, dass der Glaube besteht ‚schon alles gemacht zu haben‘, ‚ist ein Kostenfaktor‘, ‚ich kann das Thema aussitzen‘ oder es nur anzugehen, wenn der Kunde dafür bezahlt. Die Realität diktiert aber bereits heute andere Spielregeln.

    Weltweit verteilte Wertschöpfungsketten. Neue Konsumenten, Neue Anforderungen von Kunden (B2C/B2B), steigende Rohstoffpreise, Unterbrechungen in der Lieferkette, Investoren fangen an sich zu interessieren

    In der internen und externen Kommunikation sind in Bezug auf CSR und Lieferkette noch große Defizite vorhanden. Kommunikation ist wichtig, da in ihrem Rahmen, auch über die Umsetzung gesprochen werden muss.

    Stichwort: Weltweites Lieferantennetzwerk als Garant für Wettbewerbsfähigkeit

    Zielführend für jedes Unternehmen sollte ein System sein, dass alle Dimensionen umfasst. Von Transaktion zu Partnerschaft. Auswahl und Aufbau kompetenter Lieferanten. Vor Ort sein oder guten Externen. Wer hat das beste Netzwerk, d.h. die Mischung aus internen und externen Partnern.

    Stichwort: Business Case für CSR

    Zielführend für jedes Unternehmen sollte ein System sein, dass alle Dimensionen umfasst. Business funktioniert indem sich ein Unternehmen Ziele setzt, nachhaltig umsetzt und den daraus resultierenden Mehrwert sichtbar macht, das heißt auch kommuniziert.

    Meine Empfehlung zur Frage wie der ‚Business Case für Nachhaltigkeit‘ um – Ziele setzen und den Mehrwert sichtbar machen. So funktioniert Business.

    Wie können die ersten (oder weitere) Schritte in Richtung Nachhaltigkeit eingeleitet werden?

    Materialität. Was ist wichtig für mich. Was kann ich tun. Unternehmen können und müssen nicht alle Probleme dieser Welt lösen. Herauszufinden was für den Kunden auch langfristig wichtig ist und was für das Unternehmen wichtig ist, ergibt eine klare Schnittmenge aus der Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Wobei für jedes einzelne Unternehmen und Geschäftsmodell Lösungen und Absatzchancen erarbeitet werden können, die dem Unternehmen beides bringen: Kosteneinsparungen und Nachhaltigkeit. Entscheidend ist dabei das System genau zu analysieren und sich zu fragen: Was ist wichtig für mich und was kann ich tun?

    Unternehmer, die sich dem Thema CSR in der Lieferkette nähern wollen, sollten sich die Frage stellen, für welche Art von Wertschöpfung sie in Zukunft stehen wollen und welche Potentiale in Produkten bzw. entlang der gesamten Wertschöpfungskette liegen. Unternehmen die diese Übung in fokussierten und multi-disziplinären Managementworkshops (Shared Value Opportunity Workshops) durchgeführt haben, sind mit abgestimmten Aufgabenpaketen bereits in der Umsetzung. Sein Geschäftsmodell inklusive der Wertschöpfungsstrategie zu überprüfen, gelingt am besten, wenn man sich Produkte und die gesamte Wertschöpfungskette unter dem Aspekt gemeinsamer Chancen analysiert. „Go beyond the label“ ist hier die Devise. Um sich profitabel den wachsenden Herausforderungen zu stellen ist eine Evolution unternehmerischen Denkens notwendig. Das heißt insbesondere wirkliche Innovationen zu schaffen in Form von neuen Produkten für den Kreislauf als auch zum Beispiel einem neuen Verständnis von Supply Chains und deren Managements.

    Im asiatischen Kontext heißt dies auch lokalen Wert schaffen durch Ausbildung, Berücksichtigung von ökologischen Aspekten als auch Steuereffekten. In der Zusammenarbeit mit der Supply Chain ist insbesondere eine Entwicklung von einer reinen Transaktionsbeziehung hin zu einer partnerschaftlichen Beziehung anzustreben. Denn nur wer auf ein starkes Netzwerk kompetenter Lieferanten zurückgreifen kann wird nachhaltig erfolgreich sein.
    Einige deutsche Unternehmen wie Robert Bosch, BB Braun und Messer Gase gehen hier in Vietnam als gute Beispiele voran. Infineon setzt auf starke lokale Präsenz und Ausbildung in Malaysia.

    Fazit: CSR ist kein Randthema mehr, sondern vielmehr Teil des Kerngeschäfts

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